younion: Pflege-Lehre ist ein No-Go

Bestehende Berufe müssen gefördert werden

Wien (OTS) – Anstatt die bestehenden Berufe in der Pflege zu fördern und auszubauen, setzt die Regierung auf ein Modell der Pflege-Lehre. „Wir sprechen uns, so wie bereits ÖGB, Arbeiterkammer und ein Großteil der öffentlichen Träger, vehement gegen diese Ausbildungsform aus“, sagt Richard Tiefenbacher, Jugendvorsitzender der younion _ Die Daseinsgewerkschaft.

Jugendliche dürfen nicht als billige Arbeitskräfte in dem sensiblen Bereich der Pflege ausgenutzt werden. Die Zielgruppe der 15-Jährigen ist durch neue Schulmodelle zu gewinnen. Eine Kombination von Berufsbildenden höheren Schulen (BHS) oder Berufsbildende mittlere Schule (BMS) mit den bereits bestehenden Schulen, stellt eine zukunftsfähige Alternative zu bestehenden Ausbildungsangeboten dar. Außerdem ist es in den genannten Schulformen möglich, gesetzeskonform zu agieren, indem die Auszubildenden erst mit dem 17. Lebensjahr Praktika am Krankenbett versehen dürfen“, sagt Sarah Kroboth, Referentin für Pflegeauszubildende der younion- Hauptgruppe II.

Die in letzter Zeit oft zitierten Lehrmodelle aus der Schweiz und Vorarlberg zeigen, dass letztendlich die schlechten Rahmenbedingungen junge Menschen vom Pflegeberuf abschrecken. So verbleibt in der Schweiz nur jede/r 4. Absolvent/in im Beruf. In Vorarlberg erlernen die Lehrlinge in den ersten drei Lehrjahren den Beruf der/des Bürokauffrau/-mann und können freiwillig nach Abschluss ein viertes Jahr zur Pflegeassistenz anschließen. Richard Tiefenbacher: „Und auch hier zeigen die Erfahrungen, dass ein sehr geringer Anteil diese Möglichkeit auch in Anspruch nehmen.”

Als „eierlegende Wollmilchsau“ die Welt retten

Aufgrund der ungleichen Gehälter, der zum Teil prekären Arbeitsbedingungen gerade im extramuralen Bereich, der fehlenden Dienstplanverlässlichkeit u.v.m. herrscht im gesamten Pflegebereich eklatanter Personalmangel. Sarah Kroboth: „Statt tiefgreifender Reformen und einer umfassenden Finanzierung sollen junge Menschen über die Pflege-Lehre als „eierlegende Wollmilchsau“ die Welt retten. Zusätzlich verschärft es den Kompetenzen-Dschungel in der Pflege nur weiter.“

Daniel Waidinger, Bundesjugendreferent der younion _ Die Daseinsgewerkschaft: „Wir haben in der Pflege und Betreuung bereits genug Berufe, zum Beispiel die Haushaltshilfe, die Heimhilfe, die Pflegeassistenz, die Pflegefachassistenz und der gehobene Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege. Das gibt es sowohl als Fachausbildung, als auch als Studium. Eine Lehre ist da sicher nicht mehr nötig. Noch dazu kommt die Frage, wer die Aufgabe des Ausbildners übernimmt.“

„Wir fordern neben tiefgreifenden Reformen und einer gesicherten Finanzierung auch eine österreichweite Ausbildung von PraxisanleiterInnen sowie eine, den Zusatzaufgaben entsprechende, Entlohnung. Es sind diese Menschen, die unsere Auszubildenden mit hohem Engagement in der Praxis auf das fordernde Berufsleben „Pflege“ vorbereiten. Wir hoffen, dass beim Thema Pflegelehre die Würfel noch nicht gefallen sind und es noch die Möglichkeit des Dialoges gibt. Hier setzen wir besonders auf den ‚grünen Teil‘ der Regierung“, so Sarah Kroboth abschließend

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